Roland beim größten Silvesterlauf der Welt

San Silvestre Vallecana Madrid - so der Name des größten Silvesterlaufs der Welt, wo jedes Jahr über 30.000 Läufer die 10km Strecke in Angriff nehmen!

 

Einer von 32.000 Startern zu sein ist schon sehr ungewöhnlich...hier findest du Roland´s Bericht!

Roland´s Bericht:

 

Eigentlich durch Zufall entdeckte ich diesen Lauf. Nachdem wir Flüge für einen Kurzurlaub bei Diana´s Tante in Madrid gebucht hatten, startete ich interessehalber eine Google Suche nach einem Silvesterlauf in Madrid! Dass ich dabei auf eine derartige MEGA Veranstaltung treffen würde, war mir da noch nicht bewusst.

 

Da im Vorfeld eine Teilnahme aufgrund verschiedenster Probleme bei der Anmeldung am seidenen Faden hing, war ich glücklich, als ich endlich aus Spanien das OK für die Teilnahme erhielt.

 

Unsere Reise begann bereits am 26.12. mit dem Flug über Frankfurt nach Madrid. Gleich am zweiten Tag holten wir meine Startunterlagen. Ausgabeort war eine große U-Bahnstation die von allen Seiten der Stadt gut zu erreichen war. Die Dame am Ausgabeschalter überreichte mit ein T-Shirt (leider etwas zu groß) mit der Startnummer am Ärmel aufgedruckt, welches ich (und alle anderen auch) beim Lauf tragen musste. Sie wollte mir auch einen Leihchip geben. Da ich aber meinen eigenen Champion Chip hatte, benötigte ich diesen nicht. Kurz war ich etwas verwirrt, da die Leihchips weiß waren. Ich versuchte abzuklären ob mein gelber Chip funktioniert, so ganz kapiert hat sie das glaub ich nicht. Also musste ich hoffen das alles passt.

 

In der Nähe der Startnummernausgabe befand sich das Santiago Bernabeu Stadion, die Heimstätte von Real Madrid. Wir nutzte die Gelegenheit zu einer Besichtigungstour, welche über 2h dauerte.

 

Die kommenden Tage bis zum Lauf verbrachte ich mit Bummeln in der Stadt, Eislaufen, Fußballspielen mit den Kids, usw.! Lediglich einmal nutzte ich die Gelegenheit für einen kurzen Trainingslauf, wo mich Kevin die ersten drei Kilometer begleitete.

 

Am Silvestertag legten wir uns einen Plan zurecht, wie wir in die Stadt kommen, meine Fans zu den Besten anfeuerungspunkten und zum Treffpunkt im Ziel. Der Start zum 10km langen Lauf befand sich direkt beim Bernabeu Stadion, die Startgerade war in Blocks eingeteilt, ich wollte in den Block 38-42min.! Doch zuvor hatte ich das dringende Bedürfnis nach einer Toilette. Nur leider dachten sich das Tausende andere Läufer auch. Die Schlangen vor den Dixi´s waren mehr als 100m lang, so musste ein Strauch neben einer stark befahrenen Straße herhalten.

 

Nach ein paar Schnappschüssen verabschiedeten Diana und die Kinder, da sie mich in der ersten Kurve nach dem Start anfeuern wollten. Ich verzichtete auf aufwärmen und lief in Richtung meines Startblocks. Doch schon weit vorher war eine Sicherheitszone eingerichtet, wo Security´s kontrollierten wer zu dem Blocks darf und wer nicht. Ich war richtig geschockt, als ich sah, dass alle anderen Läufer farbige Armbänder hatten, die ihre Blockzuteilung markierten. Ich hatte so was nicht, dies hatte wohl die Dame bei der Startnummernausgabe vergessen. Da ich aber nicht ganz hinten starten wollte, drängte ich mich einfach irgendwie mit der Masse rein. Erleichtert diese Hürde geschafft zu haben folgte schon der nächste Schock. Direkt vor dem Eingang zu jedem Startblock wurde nochmals kontrolliert. Was soll´s einfach wieder durchquetschen dachte ich. Als ich schon fast drinnen war, zerrte mich eine Hand an meiner Schulter wieder zurück. Einem Security war aufgefallen, dass ich kein Armband hatte. Ich versuchte mich irgendwie rauszureden, doch er hatte kein Verständnis und schickte mich zurück. So leicht ließ ich mich aber nicht abschütteln. Immer wieder redete ich auf ihn ein, bis es ihm zu bunt wurde und er mich packte und glücklicherweise in den Startblock reinschob und nicht raus! Hui, das war grad nochmals gut gegangen, ich hatte nicht wirklich Lust hinter 30.000 Läufer zu starten.

 

Kurz vor dem Start war die Stimmung im Startblock prächtig, alle freuten sich aufs laufen. Als dann der Start erfolgte, galt es gleich zu Beginn einen Anstieg hoch zu laufen. Die Straße war sehr breit und ich kam ganz gut weg, doch oben angekommen kochte der Kessel unter meinem Österreich Hut schon gewaltig! War vielleicht doch nicht so gut die Idee mit dem Hut, aber so unterschied ich mich wenigstens ein wenig von den anderen Läufern, da ja alle das gleiche T-shirt trugen. Aber auch das half nicht, am vereinbarten ersten Anfeuerungspunkt konnte ich keinen sehen, lediglich eine Motorradkamera begleitete mich eine Weile. Als dann die Straße schmäler wurde, musste ich sehr aufpassen, ständige Richtungs- und Tempowechsel waren erforderlich um halbwegs sicher durch zu kommen. Es ging leicht bergab und vor mir sah ich den „40er“ Luftballon. Ich drückte die folgenden Kilometer ein wenig aufs Tempo und lief nach dem langsamen ersten Kilometer (4:35min.) bis km 5 deutlich unter 4min./km. Die Durchganszeit bei Kilometer 5 war mit 19:51min. sehr gut. Ich hoffte, dass sich die Läufermassen ein wenig auflösen würden, dann könnte ich noch einen Angriff auf meine Bestzeit versuchen, da es weiter leicht bergab ging. So mein Plan!!

 

Gekommen ist es ganz anders. Die Straßen wurden immer enger, somit musste ich weiterhin viele Rhythmuswechsel vornehmen. Bis Kilometer 7,5 wo ich immer noch unter einem 4min./km Schnitt (29:42min.) durchkam gelang mit dies noch ganz gut. Zwei Kilometer vor dem Ziel war es aber dann Schluss mit lustig. Ein leichter Anstieg reichte um mich zu brechen. Ich stand förmlich, ein Läufer nach dem anderen lief an mir vorbei. Ich war total blau und sehnte Kilometer 9 herbei, wo Diana und ich uns den nächsten Treffpunkt ausgemacht hatten. Diesen Plan hatten aber wohl alle Fans und so konnte ich wieder keinen sehen und ohne zusätzliche Motivation machte ich mich auf den letzten Kilometer. Nachträglich kann ich sagen das mich auf zwei Kilometern ca. 800 Läufer überholt haben.

 

Nach 42min. 13 sec. erreichte ich fix und fertig das Ziel. Der Zieleinlauf war auch ohne Zielsprint ein Erlebnis und wird in Erinnerung bleiben. Meine Zeit reichte für Gesamtrang 1720. Für einen Platz unter den ersten 1000 hätte ich nur 90 Sekunden schneller laufen müssen. Naja immerhin hab ich fast 30.000 Läufer hinter mirgelassen.

 

Langsam machte ich mich auf den Weg zur Verpflegung und zum Ziel-Treffpunkt. Nach einem kurzen Telefonat mit Diana konnte ich sie schließlich finden. Ich zog mich gleich auf der Straße was trockenes an um nicht krank zu werden.

 

Diana und die Kinder hatten Probleme überhaupt mit der U-Bahn zum Ziel zu kommen. Leider sind sie auch zum Treffpunkt bei Kilometer neun um ein paar Minuten zu spät gekommen. Wir machten uns schnell auf den Heimweg mit U-Bahn und Zug.

 

Meine Oberschenkel schmerzten als wäre ich 100km gelaufen, so eingegangen wie diesmal war ich noch glaub ich noch nie. Im nachhinein gesehen wäre bei diesem riesigen Starterfeld wohl eine etwas gemütlichere Variante die bessere gewesen, ein unvergessliches Erlebnis bleibt es aber allemal. Jetzt ein paar Tage später spüre ich immer noch den Muskelkater in den Oberschenkeln, das erinnert mich irgendwie an den Tirol Speed Marathon vor ein paar Jahren, da ging es auch sehr viel bergab…

 

Am 02. Jänner traten wir wieder die Heimreise an und sind am Abend gut in Linz gelandet.

 

Roland

Bilder aus Madrid in unserer Bildergalerie

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